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Faltblatt Westfälisches Glockenmuseum Gescher

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Faltblatt Westfälisches Glockenmuseum Gescher

WESTFÄLISCHES GLOCKENMUSEUM GESCHER

Das Mit-Mach-Museum lädt zur klingenden Zeitreise durch die Glockengeschichte ein

Blick in die Glockenhalle © Michael Sandner
Glockenkrone - im Hintergrund Kirchenglocken © Michael Sandner
Uhrwerk © Michael Sandner

 

 

Eigentlich weiß (fast) jeder, wie Glocken klingen und welche Klangvielfalt ein gutes Glockengeläute entwickeln kann.

Aber, wie werden Glocken gegossen, was geschieht in der Glockengrube und gibt es wirklich ein Geheimnis des Glockenklanges? Und was ist gemeint, wenn Experten von Falschen Glocken, Bienenkorbglocken oder Zuckerhutglocken sprechen?

In dem in Nordrhein-Westfalen einzigartigen Museum werden diese und andere Fragen "rund um die Glocke" auf spannende und unterhaltsame Weise beantwortet.

Während der klingenden Zeitreise durch die Glockengeschichte erfahren Besucher Überraschendes und Unbekanntes über die Bedeutung von Glocken im kirchlichen und im weltlichen Leben der Menschen.

Originalglocken, historische Dokumente, Fotos und Filme verdeutlichen die Einmaligkeit der Glocke als Signalgeber, Musikinstrument, Kunstwerk und Denkmal und helfen, das Geheimnis der Glocken und ihre Klänge zu entdecken.

Mit-Mach-Stationen laden Besucher aller Altersgruppen ausdrücklich zum Forschen, Entdecken und Ausprobieren ein.

Antike Glöckchen © Michael Sandner
Kirchenglocken und Glockenstuhl © Hans Essling
Krone einer Zuckerhutglocke © Michael Sandner

Glockengeschichten - Glockenlegenden

Über die mitunter außergewöhnlichen (Lebens)Geschichten der Glocken, ob sie nun aus dem Römerlager Haltern, aus mittelalterlichen und modernen Kirchen oder kleinen Kapellen stammen, wird unterhaltsam und zugleich spannend berichtet.

So ist es sicherlich außergewöhnlich, wenn vier Bienenkorbglocken aus der Stiftskirche in Vreden fast 1.100 Jahre nach ihrer Zerstörung wieder erklingen. Archäologen, Glockenexperten und Glockengießer haben diese besonderen Glocken rekonstruiert. Im Rahmen eines Forschungsprojektes wurden sie originalgetreu nachgegossen.

In der Glockensammlung ist auch die älteste noch erhaltene „Zuckerhutglocke“ Westfalens aus dem 12. Jahrhundert zu sehen. Andere mittelalterliche und neuzeitliche Glocken erstaunen und begeistern durch ihre Größe und den Reichtum ihrer Verzierungen, vor allem aber durch ihre Klangfülle und den berühmten Nachhall, der noch minutenlang nach dem „Anschlagen“ zu hören ist. Gleichzeitig vermitteln sie phantastische Eindrücke von dem Können und der großen Kunstfertigkeit der Glockengießer. Bei dem klingenden Rundgang durch die Glockengeschichte spielen natürlich auch Glockensagen, Geschichten und Legenden „rund um die Glocke“ eine wichtige Rolle.

In der umfangreichen Glockensammlung haben neben den typischen Kirchenglocken aus Bronze auch gewichtige Glocken aus Gussstahl, Grauguss und anderen Legierungen ihren Platz gefunden. Da ihre Produktion vor Jahrzehnten eingestellt wurde, erfahren Besucher im Museum Interessantes über ihre Besonderheiten, Herstellung und Klangentfaltung.

Stimmgabeln © Michael Sandner
Beiermann Theo Meyer, Pfarrkirche St. Johannis, Billerbeck © Hendrik Sonntag

Klänge - Geläute

Da Glocken für die meisten Menschen unsichtbar in den Glockenstühlen der Kirchtürme hängen, werden bei Führungen und museumspädagogischen Aktionen ausgewählte Glocken auch „richtig“ geläutet. Für Besucherinnen und Besucher eine einmalige Gelegenheit, Glocken "live" zu erleben.

Diese Vorführungen sind immer ein besonderes Ereignis, wenn zunächst nur die Geräusche der immer höher schwingenden Glocken zu hören sind und dann, wenn die Klöppel anschlagen, das ganze faszinierende Klangspektrum zu hören ist.

Dass man Glockentöne aber nicht nur hören, sondern auch sehen und sogar fühlen kann, macht die „Wasserglocke“ auf einmalige und faszinierende Weise deutlich.

Im Musikraum können sich Besucher auch als Beiermann oder Beierfrau betätigen und historische, fast in Vergessenheit geratene Läutebräuche ausprobieren. Wie Glocken heute wieder in Kirchtürmen des Münsterlandes gebeiert und dabei mit „Händen und Füßen“ zum Klingen gebracht werden, ist sicherlich ein besonderes Erlebnis.

Henk Verhoef am Spieltisch des Carillons im Waterlandsmuseum De Speeltoren, Monnickendam © Hendrik Sonntag

Stokkenklavier und Glockenspiele

Mit Blick auf die lange Tradition von Glockenspielen in den Türmen von Kirchen und Rathäusern sind Musikbegeisterte eingeladen, wie ein Carilloneur auf einem „Stokkenklavier“ und einem Glockenspiel eigene Melodien auszuprobieren.

Zu den Besonderheiten des Mit-Mach-Museums gehört auch ein richtiges „Stokkenklavier“ aus den Niederlanden, an dem Glockenspielspieler früher ihre Melodien einüben konnten. Heute können Museumsbesucher eigene Kompositionen erklingen lassen.

Ein modernes, aus 18 Glocken bestehendes Glockenspiel lädt ebenfalls zum Musizieren ein und ermöglicht Musikvorführungen mit einzigartiger Klangvielfalt. 

Historische und moderne Glocken, die für Glockenspiele gegossen wurden, verweisen auf die lange Tradition der Carillons in den benachbarten Niederlanden in Belgien und in Norddeutschland.

Delphine auf dem Kanonenrohr © Michael Sandner
Glockenkrone © Michael Sandner

Glockengießer – Kanonengießer

Reich verzierte Mörser für Apotheken und Haushalte, Grapen für die Zubereitung von Speisen, zierliche Tischglöckchen und sogar Feuerspritzen zeigen die handwerklichen und künstlerischen Fähigkeiten der Glocken- und Stückgießer. Tischglöckchen in verschiedenen Größen verweisen darauf, dass in den Gießereien nicht nur große Kirchenglocken gegossen wurden.

Dass Glockengießer in früheren Jahrhunderten als gesuchte und privilegierte Spezialisten auch als Kanonengießer und „Stückgießer“ tätig waren, verdeutlicht ein mächtiges Kanonenrohr aus dem 17. Jahrhundert.

Da Glockenbronze, bestehend aus Kupfer und Zinn gerade in Kriegszeiten begehrt war, wurden auch in den beiden Weltkriege zahllose Glocken für die Rüstungsindustrie beschlagnahmt, von den Türmen geholt, zerschlagen und eingeschmolzen. Fotos und Glockenbruchstücke erinnern an diese gewaltigen Verluste. Auf einigen Glocken, die den letzten Krieg auf den Sammelplätzen überstanden haben, sind noch die aufgemalten Ziffern und Buchstaben ihrer Registrierung zu sehen. 

Lehmformen in der Glockengrube © Michael Sandner
Glockenformen in der Glockengrube © Michael Sandner
Glockenguss in Gescher © Hendrik Sonntag

Falsche Glocke - Kern - Mantel

Da sicherlich nur wenige Museumsbesucher einen Glockenguss erlebt haben, werden die Herstellung der Glockenformen und der Glockenguss in einer originalgetreuen Glockengrube vorgestellt.

Lehmformen in Originalgröße, Werkzeuge und Schablonen geben Einblicke in die (fast) unbekannte Arbeitswelt einer Glockengießerei. Dabei wird auch ausführlich über jene Berufe berichtet, die seit jeher mit Glocken und ihrer Herstellung verbunden sind. 

Glockengießer müssen auch in der heutigen Zeit zugleich als Handwerker, Ingenieure, Mathematiker und Künstler tätig sein. Sie entwickeln, berechnen und konstruieren Glocken, deren abschließende Fertigung von der Arbeitsweise jener Spezialisten in der Glockengrube abhängt, die für die Herstellung der Gussformen und für den Glockenguss zuständig sind. 

Aber auch danach beschäftigen sich Glockensachverständige mit dem Klangbild der gegossenen Glocken, während Zimmerleute, Schlosser, Monteure, Elektriker für richtige Konstruktion der Glockenstühle und Schallblenden in den Glockenstuben sowie für die richtige Klangentfaltung der Glocken sorgen.

Bei diesen interessanten Themen darf natürlich der bekannte Film mit der „Glocken-Maus“ nicht fehlen, der bei Museumsbesuchern aller Altersgruppen sehr beliebt ist. 

Glockeninschrift © Michael Sandner
Glockenkrone © Michael Sandner

Glockeninschriften - Glockenzier

Wenn Glocken nach dem Guss und der feierlichen Weihe in den Glockenstühlen montiert sind, bekommen nur noch wenige Menschen die Inschriften und Verzierungen zu sehen. 

Wie vielfältig historische, aber auch moderne Glocken verziert sind und vor allem, welche religiösen Bedeutungen die aufwändigen Inschriften und Zierelemente auf den Außenwandungen besitzen, wird an besonderen mittelalterlichen und neuzeitlichen Glocken erläutert.

Meterlange Abformungen von Inschrift- und Zierbändern belegen die meisterhaften Arbeiten von Künstlern und Glockengießern. Einige, besonders reich dekorierte Zierbänder lassen sich am besten mit einer Lupe entschlüsseln. 

Dabei erfahren Besucher natürlich auch, wie die Vorlagen für Inschriften und Verzierungen vorbereitet und bei der Herstellung der Glockenformen auf der „Falschen Glocke“ aufgebracht werden.

Ratsglocken - Hausdachglocken © Michael Sandner
Hofglocke © Michael Sandner
Schiffsglockensammlung © Michael Sandner

Ratsglocken - Schulglocken - Schiffslocken

Welche heute kaum noch vorstellbare Bedeutung Glocken in vergangenen Jahrhunderten im Alltags- und Arbeitsleben der Menschen besaßen, erfahren Besucher im Obergeschoss des Museums.

Mit den Klängen von Rathaus-, Schul-, Laden-, Fabrik- und  Schiffsglocken wurden wichtige Ereignisse angekündigt,  Arbeitszeiten eingeläutet oder Signale gegeben.

Hausdachglocken und Hofglocken dienten mit ihren Klängen den Bewohnern weit auseinanderliegender Bauernhöfe und Siedlungen als wichtige Kommunikationsmittel.

Über ihre fast schon industriemäßige Herstellung in sogenannten Gelbgießereien informieren Arbeitsgeräte, Glockenformen, Formkästen und Materialien für den Sandformguss.

Arbeitsgeräte eines Schellendschmiedes © Michael Sandner

Tierschellen - Tierglocken

Zur Sammlung des Westfälischen Glockenmuseums gehören auch Glöckchen und Schellen für Kühe, Pferde, Schafe, Ziegen und, sogar für Elefanten und Kamele. 

Wie unterschiedlich diese Schellen und Glöckchen klingen, wie schwer sie sind und welche Aufgaben Schellenschmied und Schellenrichter hatten, kann in einem weiteren Sammlungsschwerpunkt erforscht werden. 

Dabei wird auch verständlich, worin die Unterschiede zwischen Tierglöckchen und Tierschellen liegen und wie diese gegossen oder geschmiedet wurden.

Uhrwerk © Michael Sandner

Kirchturmuhr - Karfreitagsklappern - Ratschen

Im sogenannten Turmzimmer ist manchmal das Klacken einer originalen Vortmann-Turmuhr zu hören, die nach langen Dienstjahren als Kirchturmuhr ihren Platz im Museum gefunden hat. Als technisches Wunderwerk sorgte sie für die „richtige“ Einteilung der Zeit und des Tagesablaufes. 

Was geschieht, wenn alle Kirchenglocken in der Osternacht nach Rom fliegen, um dort gesegnet und repariert zu werden, davon berichtet eine alte Glockensage. In den Dörfern des Münsterlandes zogen dann, wenn die Glocken schwiegen, Jungen mit hölzernen Ratschen durch die Straßen, um die Gemeindemitglieder zum Gottesdienst zu rufen. 

Das „neue“ Westfälische Glockenmuseum Gescher

Mit der (NEU)Eröffnung des Westfälischen Glockenmuseums Gescher im Dezember 2010 konnte ein anspruchsvolles und für die touristische Entwicklung der Glockenstadt Gescher wichtiges Projekt erfolgreich abgeschlossen werden. 

Heute lädt das einzigartige Mit-Mach-Museum mit vergrößerter Ausstellungsfläche, überarbeiteter Schausammlung und neuen museumspädagogischen Angeboten zu einem besonderen, klangvollen Rundgang durch die Glockengeschichte ein.

Das umfangreiche Erweiterungsprojekt der Stadt Gescher konnte mit Fördermitteln der NRW-Stiftung - Natur-Umwelt-Kultur -, des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe -LWL Museumsamt für Westfalen-, der Bezirksregierung Münster und des Vereins zur Förderung des Glockenmuseums realisiert werden.

Unterstützt wird die Museumsarbeit auch weiterhin durch den engagierten „Verein zur Förderung des Glockenmuseums e.V.“, mit dessen Hilfe in den vergangenen Jahren historisch und künstlerisch bedeutende Kirchen- und Kapellenglocken angekauft werden konnten.